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Freilichtmuseum Ensemble Gerersdorf


Kunst
aus dem alten Tibet

im Freilichtmuseum Gerersdorf
vom 9. April bis 5.Juni 2011

 

Als auf der historischen Seidenstraße erste tibetanische Bilder und Skulpturen ihren Weg nach Europa fanden, war man schockiert ob der Fremdartigkeit und des „Götzenkultes“. Eine kaum zu überschauende Vielzahl an Figuren formiert sich zu komplexen Bildwelten, die historische wie legendäre Geschichten erzählen. Der geheimnisvolle Kosmos dieser zumeist als Rollbild (Thangka) erschaffenen Malereien, in denen sich Gottheiten, himmlische und höllische Gestalten, Buddhas, Bodhisattvas in teils vielarmigen Formen mischen mit historischen Personen, Lamas, Gurus, Ordensgründer, sind keine autonomen Kunstwerke im modernen Sinn, es sind religiöse Gebrauchsgegenstände, Hilfsmittel bei der Meditation und dienen der Vervollkommnung des gläubigen Buddhisten. 
Für die Tibeter stellen Mensch und Natur, Mikrokosmos und Makrokosmos keine getrennten Prinzipien dar – alles steht in Beziehung zueinander: Mensch, Natur, Götter, Geisteswesen und Dämonen. Diese magische Verflechtung ließ die Tibeter im Laufe der Jahrhunderte eine Fülle magischer Riten und Zeremonien entwickeln,  die sich in ihrer Philosophie und Lebensart und ebenso reichhaltig in den Meditationsbildern widerspiegeln. 
Das tibetische Rollbild vereinigt vielfältige spirituelle Wirkungsweisen in sich. Schon das Malen eines Thangka wird als religiöse Handlung angesehen und nicht als Werk profaner Kunst. Die Künstler waren meist Mönche, oft arbeiteten mehrere Personen nach genauen konstruktiven, ikonographischen und rituellen Vorgaben. Der Auftraggeber darf eine Erleichterung seines karmischen Loses erwarten, in dem er einen Thangka einem Tempel stiftet oder in seinen Hausaltar aufnimmt. Tibetische Malereien werden nach Vollendung in Textilien gefasst, wobei sich das Format und die Proportionen der Montierung nach überlieferten Regeln richten: Zwei rote und gelbe Innenrahmen bilden einen „Regenbogen“, während ein auffallend schönes, farblich abgehobenes Stoffstück im unteren Teil des Außenrahmens zur „Tür“ wird. Da diese Montierung im zusammengerollten Zustand des Thangka gleichsam als Verpackung diente, sind an alten Thangkas kaum mehr orginale Textilrahmen zu finden – sie wurden im Laufe der Zeit öfter ersetzt oder gänzlich entfernt. 
Ritualgeräte und andere rare Kostbarkeiten des alten Tibet, der vorchinesischen Epoche, ergänzen diese außergewöhnliche Ausstellung.
Es waren keine wie immer gearteten religiösen Motive, die den vielseitigen Sammler Peter Infeld bewogen, tibetische Thangkas über Jahre immer wieder zu erwerben und zu einer der bedeutendsten europäischen Sammlungen dieses Genres zu vereinen. Ihn faszinierten, wie jeden unvoreingenommenen Betrachter, die diffizilen, enorm detailreichen Darstellungen sowie die erstaunlichen kunsthandwerklichen Fähigkeiten der Meister vom „Dach der Welt“.
Die 180 Exponate umfassende Ausstellung ist sowohl im jüngst erweiterten Saal des „Wunderlhauses“ als auch in zwei großen Blockwerkstadeln zu sehen.

Für die wertvolle Unterstützung dieser Ausstellung gilt unser Dank der Geschäftsleitung der Firma Thomastik-Infeld, der Peter Infeld Privatstiftung und allen privaten Leihgebern, der Kunstspedition Rudolf Zavlacky und Ralph und Henry Hartl, alle Wien 

 

Fotos: G.Kisser



Legende aus dem Leben des Buddha, Rollbild (Thangka), 18. Jh, inkl. Stoffmontierung 140 x 77 cm

 


Tibetischer Mythos - Rad der Zeit - Kalacakra, Rollbild (Thangka), 19 Jh, 57,5 x 35 cm

 


Wächter der Lehre, Rollbild (Thangka), 18.-19. Jh, inkl. Stoffmontierung 72 x 41,5 cm

 


Zornvoller Schützer der Lehre, Rollbild (Thangka), 18. Jh, inkl. Stoffmontierung 80 x 50 cm

 


Erleuchtungswesen, Rollbild (Thangka), 19. Jh, inkl. Stoffmontierung 70,5 x 64,5 cm

 


Grüne Tara, Elfenbein, 18. Jh, 13,5 x 7 x 6cm


Ritualkanne mit Futteral, 18.-19. Jh, Silber, Holz und Leder, 22 x 15 cm

 


Holzfisch, rituelles Schlaginstrument, Bronzemünzen, undatiert, 18 x 8 x 7 cm